Moritat und Bänkelsang

Zur Geschichte und Entstehung

Schinderhannes


Übersicht Moritatentafeln


Leben, Taten und das gar schreckliche Ende von Johann Bückler, gen „Schinderhannes“ wurde 1779 in Mühlen bei Nastätten im Nassauischen geboren und am 21. Nov. 1803 zu Mainz mit 19 seiner Genossen durch die Guillotine enthauptet.

 

 

 

 

 

 

 


Schinderhannes

 

1. Im Schneppenbacher Forste, da geht der Teufel rum-di-bum.
De Hals voll schwarze Borste und bringt die armen Kaufleut’ um.

Das ist der Schinderhannes,
Der Lumpenhund, der Galgenstrick,
Der Schrecken jedes Mannes
Und auch der Weiberstück.

 

2. Hier seht ihr ihn im Bilde, den wilden, schwarzen Wüterich!
Was führt er wohl im Schilde? Oh, Wandrer, hüte dich!
Es packt dich kaltes Schauern,
Musst einsam übers Land du gehn,
Kaum bist du aus den Mauern,
So ist‘s um dich gescheh‘n!

Das ist der Schinderhannes, der ….

Im Soonewald, im Soonewald steht manche dunkle Tann.
Darunter liegt begraben bald ein braver Wandersmann.

 

3. Ein junges Weib vom Lande
Nach Mainz zum Markte sich begab,
Da kam ein Kerl und nannte sie ein possierlich’ Ding.
Das Weib, dem dies behagte, blieb schäkernd bei ihm steh‘n.
Da packt‘ er sie und sagte - jetzt wollen wir mal seh‘n.

Das war der Schinderhannes, der ….

Als nun das Weib um Hilfe schrie, griff er zu seinem Dolch.
An dessen Stiches Folgen verstarb das arme Weib.

 

4. Im Grünen Baum zu Simmern,
Da war kein Schwanz mehr wach.
In dreiunddreißig Zimmern, vom Hof bis unters Dach,
Da schnarchten die Soldaten, doch Hannes legte Feuer an.
Das gab ein schlimmes Braten, kein einziger entrann.

Das war der Schinderhannes, der ….

Doch auch dem großen Sünder schlug unter’m Hemd ein Herz.
Die armen Waisenkinder bedauert er voll Schmerz.

 

5. Hier seht ihr Ammi Schäfer vom Schnepfenbacher Tal,
Ein braungelockter Käfer und glatt als wie ein Aal.
Hier seht ihr sie mit Hannes, das saub’re Liebespaar.
Sein Herze steht in Flammen, er kost ihr dunkles Haar.

Das war der Schinderhannes, der ….

Doch ach, die süße Liebesnacht
Bracht‘ ihm den bitt’ren Tod.
Drauf hat man ihn nach Mainz gebracht
Und schloss ihn fest im Turm.

 

6. Da kam er vor die Richter nach großer Kerkersqual.
Nur finstere Gesichter erblickt er in dem Saal.
Und als man ihn befragte, ob er bereuen wollt‘,
Da stand er auf und sagte, dass es wie Donner grollt:

„Ich bin der Schinderhannes, der ….

Und wär‘ ich jung und hätt‘ die Wahl
Ich tät‘s all‘s noch einmal!

 

7. Man schleppt‘ ihn aufs Schafotte
Im blutigroten Kamisol
Wir beten all’ zu Gotte, dass ihn der Teufel hol!
Schon saust das Beil herunter,
Vom Rumpfe sprang sein Haupt herab
Und rollte kunterbunter den Galgenberg hinab.

Das war der Schinderhannes, der ….

So endigte der Bösewicht,
Und wer ihn kennt, beklagt es nicht.