Moritat und Bänkelsang

Zur Geschichte und Entstehung

Sabinchen


Übersicht Moritatentafeln

Text und Musik: anonym - aus dem 19. Jahrhundert
eigentlich eine Parodie auf die zahlreichen, damals im Umlauf befindlichen Moritaten in Sport-Liederbuch (1921) -- Die weiße Trommel (1934) -- Die Mundorgel (1953

 

 





Sabinchen war ein Frauenzimmer

(Höchst schauderhafte Begebenheit von Rideamus alias Fritz Oliven ca. 1869)

1. Sabine war ein Frauenzimmer,
Sie war so tugendhaft;
Deshalben war zufrieden immer
Mit ihr auch die Herrschaft.
Da kam von Treuenbrietzen
Ein junger Mensch daher
Und sprach: Ich möchte sie besitzen,
Es war ein Schuhmacher.

 

2. Sie hat sich nicht sehr lang bedenket
Und sprach: es mag so sein!
Sie hat zu leicht Vertrau’n geschenket
Des Schusters falschem Schein.
Er kommt allnächtlich zu Sabinen
Und seufzt: ich steck in Not;
Gerührt von seinen bittern Mienen
Gibt sie ihm, was sie hat.

 

3. Da tut er es sogleich verschwenden
In Schnaps und auch in Bier;
Und tut sich nochmals an sie wenden,
Will wieder Geld von ihr.
Sie kann ihm keines mehr geben
Drum geht sie auf der Stell’
Und muss der Herrschaft veruntreuen
Zwei silberner Löffel.

 

4. Als aber sind zwei Tag’ vergangen,
Da kommt der Diebstahl `raus.
Die Herrschaft jug mit
Schimpf und Schanden
Sabinen aus dem Haus.
Sie seufzt: Du Pflichtvergess’ner
Du rabenschwarze Seel’!
Da nimmt er schnell ein Transchiermesser
Und schneid’t ihr ab die Kehl’.

 

5. Das Herzblut tut sogleich rausspritzen,
Sie sinket um und um;
Der falsche Schuster von Treuenbrietzen
Der steht um sie herum.
Sie tut die Glieder strecken,
Nebst einem Todesschrei;
Den bösen Wicht tun jetzt einstecken
Zwei Mann der Polizei.

 

6. In Ketten und in Eisenbanden,
Bei Wasser und bei Brot,
Hat er reumütig eingestanden
Die schwarze Freveltat.
Am Galgen wurd’ der Schuster
Gehängt durch einen Strick;
Dazu hat ihn gebracht die Untreu’
Und auch die falsche Tück.

 

7. Und die Moral von der Geschicht’:
Trau keinem Schuster nicht!
Der Krug, der geht so lang zum Wasser,
Bis ihm der Henkel bricht.
Der Henkel ist zerbrochen,
Er ist für immer ab.
Ihr Leute merkt und nehmt zu Herzen
Die traurige Geschicht’.