Moritat und Bänkelsang

Zur Geschichte und Entstehung

Die Räuberbraut

(Als Soldatenlied im Weltkrieg 1914/18 viel gesungen)

 

1. Nicht weit von hier, in einem tiefen Tale,
Da stand ein Mädchen an einem Wasserfalle.

||: Sie war so schön, so schön wie Milch und Blut,
Von Herzen war sie einem Räuber gut. :||

 

2. Du armes Mädchen, du dauerst meiner Seele,
Weil ich als Räuber wohn’ in einer Höhle.

Ich kann fürwahr nicht länger bei dir sein,
Ich muss jetzt fort, wohl in den Wald hinein.

 

3. Nimm diesen Ring, und sollte man dich fragen,
So sag, ein Räuber habe ihn getragen,

Der dich geliebt bei Tag und bei der Nacht,
Und der so viele Menschen umgebracht.

 

4. Und wenn ich endlich, endlich komm zum Sterben,
So sollst du alles, alles von mir erben.

Ich setze in mein Testament dich ein.
Nur du, nur du bist Erbin ganz allein.

 

5. Im dunklen Wald sieht man die Schwerter blitzen,
Den Räuberhauptmann auf dem Pferde sitzen.

Tief in die Brust dringt ihm dann ein Geschoss.
Tot stürzt er ab von seinem treuen Ross.

 

6. Die Räuber tragen ihres Hauptmanns Leiche
Zum kühlen Grabe unter einer Eiche.

Noch ein Gebet im Silbermondenschein,
Eine Hand voll Erde - und man senkt ihn ein.

 

7. In einem Städtchen, in einem tiefen Tale,
Da stand ein Mädchen an einem Wasserfalle.

Sie war so schön, schneeweiß und rosenrot.
An ihrer Brust - das arme Kind war tot.