Moritat und Bänkelsang

Zur Geschichte und Entstehung

Zwei ungleiche Brüder

(Text und Melodie volkstümlich, um 1850)

 

1. Es wollt’ ein Mann in seine Heimat reisen,
Er sehnte sich nach seinem Weib und Kind.

||: Er aber musste einen Wald durchstreifen,
Wo plötzlich ihn ein Räuber überfiel. :||

 

2. Gib her dein Geld, dein Leben ist verloren!
Gib her dein Geld, dein Leben ist dahin!

Gib her dein Geld, sonst muss ich dich durchbohren,
Ich morde dich, so wahr ich Räuber bin!

 

3. Ich hab kein Geld, kann dir auch gar nichts geben,
Von Geld und Reichtum ist mir nichts bewusst;

Nimm hin mein Leben, will‘s dir gerne geben,
Ich öffne dir von selbst die blasse Brust!

 

4. Da blieb der Räuber tief beklommen stehen
Und sprach: Zum Morden hab ich keine Lust,

Ach, aber ach, was muss ich bei dir sehen,
Was trägst du da auf deiner bloßen Brust?

 

5. Es ist das Bild von meiner treuen Mutter,
Das du da trägst auf deiner bloßen Brust,

Ich aber muss als Räuber vor dir stehen,
Verzeih mir, Bruder, ich hab‘s nicht gewusst!

 

6. Zwölf Jahre haben wir uns nicht gesehen,
Zwölf Jahre haben wir uns nicht gekannt,

Und ich muss jetzt als Räuber vor dir stehen,
Der nach dem Bruder ausstreckt seine Hand!

 

7. In tiefem Schmerz umarmten sie sich beide.
Verzeihung! Es ist schon längst gescheh’n!

Sie herzten sich und küssten sich vor Freude
Und Tränen flossen bei dem Wiederseh’n.