Moritat und Bänkelsang

Anfänge und gemeinsame Auftritte

Moritat Vortrag in Waldkirch 2005 1999 Der schwarze Vere

Moritaten - Bänkellieder - Küchenlieder

 

„Es ist wunderbar, dass der Mensch durch Schreckliches immer aufgeregt
sein will. Es ist an Mord und Totschlag noch nicht genug, an Brand und
Untergang - die Bänkelsänger müssen es an jeder Ecke wiederholen.”


Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe hat dies gesagt. Und das
ist bis heute so geblieben. Die Moritat - sozusagen der Vorläufer der
heutigen Boulevard-Presse - bediente sich immer blutrünstiger und
Effekt haschender Mittel. Geschichten von Räubern und Mördern,
verführten und verlassenen Mädchen, Unglücken und Katastrophen aller
Art waren und sind der Inhalt ihrer Lieder. Dabei steht nicht das tiefernste
Nacherzählen eines wahren Geschehens im Vordergrund, sondern diese
Lieder erhalten ihren eigenen Reiz erst durch die witzigen und oft
maßlosen Übertreibungen.

Die Geschichte der Bänkel- oder Moritatensänger beginnt schon im 17. Jahrhundert. Sie gehörten noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zum normalen Bild auf Jahrmärkten und Handwerksmessen.
Begleitet von Laute oder Drehleier - später vorwiegend von der Drehorgel -
trugen sie ihre Geschichten vor. Von seinem Bänkel aus (der namensgebenden
kleinen Bank, auf der er stand), zeigte er dem staunenden Publikum gemalte
Bilder zu dem vorgetragenen Geschehen. Die Texte wurden gedruckt und
verkauft und damit der Lebensunterhalt der Familien gesichert.

Mit der Erfindung von Radio und Kino waren Bänkelsänger bzw.
Moritatensänger überflüssig geworden. Doch viele ihrer Lieder hielten
Einzug ins Volksliedgut und sind als sogenannte “Küchenlieder” unvergessen.
Als in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts die Drehorgel eine
Wiedergeburt feierte, gab es plötzlich auch wieder Moritatensänger.
Und eine dieser Gruppen ist “Der Leierkastenmann und die tugendhaften
Bänkelsänger”.